Blättern

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Umblättern einer Seite
Blattwender aus Gummi

Blättern ist eine Art und Weise, sich in einem Buch fortzubewegen, um zu lesen.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kulturgeschichte lassen sich unterschiedliche Traditionen und Arten des Blätterns in der Literatur der Frühen Neuzeit, des Barock und der Romantik unterscheiden und sich wandelnde Vorstellungen über Bücher als Träger von Daten feststellen. Besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind das Blättern als Kulturtechnik, die Möglichkeiten literarischen Erzählens und die Bedingungen des Buches wie auch die haptische Erfahrung selbst in der experimentellen Literatur thematisiert und literarisch eingesetzt worden. Es lassen sich verschiedene Arten des Blätterns unterscheiden: allgemeines undifferenziertes Blättern, bei dem es nur ein Umblättern oder Überblättern gibt, außerdem ein schnelles Blättern, das im Allgemeinen so beurteilt wird, dass es sich zum Lesen und zu literarischer Rezeption nicht eigne; ferner ein enzyklopädisches Blättern, das Leseanweisungen durch Verweispfeile in den Artikeln der Texte angibt und damit zwar noch Leseanweisungen gibt, aber mit der Möglichkeit spielt, den Leseanweisungen nicht folgen zu müssen, sondern eigene Verbindungen knüpfen zu können. Eine weitere Form des Blätterns ist ein eher ungeordnetes Herumblättern, die keinerlei Leseanweisungen gibt. Eine spezielle Art Buch, die zum Blättern einlädt, ist das Daumenkino.[1]

Mediengeschichtlich kann man das Scrollen durch digitale Dokumente in der Gegenwart eher vergleichen mit der Bewegung des Lesens in der Antike, in der der Umgang mit Texten durch Blättern entstand. Das Scrollen oder Wischen auf einem Touchscreen hat eher Ähnlichkeit zur Benutzung der Rollenform des Papyrus und Pergaments in der Antike.[2]

Bei Musikern kann das Blättern ein Notenwender übernehmen

Durch die Handhabbarkeit mobiler Geräte wie Smartphones rückt in der Gegenwart das Haptische bei der Lesebewegung ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Der Philosoph Michel Serres nannte die vernetzte Generation „Däumlinge“ wegen ihrer Weltaneignung über den Touchscreen des Smartphones. In der Verlagerung vom Blättern zum Wischen, von der abgrenzbaren Papierseite zum fließend rollenden Text rückt auch das Haptische als Erfassung und Begreifen der Welt mit der Hand stärker ins Zentrum.[3] Serres unterscheidet zwischen einem Buch und einem Lexikon, das unterschiedliche Lese- und Denkstile hervorrufe. Während im Lexikon sprunghaft hin- und hergeblättert werde und die Augen über Seiten und Stichworte wanderten, werde ein Buch eher linear in vorgegebenen Ordnungsvorstellungen gelesen.[4]

Auf dem E-Book-Reader werden die Seiten wie auf dem Touchscreen bewegt, beim Lesen von Bildschirmnoten kann der Instrumentalist einen Fußschalter zum Blättern nutzen.

Bereits 1965 schildert Frank Herbert in seinem SF-Roman Der Wüstenplanet ein fiktives Gerät, auf dem ein Buch gespeichert ist. Das Gerät bot bereits die Anpassung auf eine gut lesbare Schriftgröße und die oftmals typische Bedienung mit dem Tippen auf die eine oder andere Seite zum Blättern.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: blättern – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christoph Benjamin Schulz: Poetiken des Blätterns (= Monika Schmitz-Emans [Hrsg.]: Literatur – Wissen – Poetik. Band 4). Georg-Olms-Verlag, Hildesheim / Zürich / New York 2015, ISBN 978-3-487-15256-1 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Nils Röller: Zeitlichkeit aktualisiert. Trost der Philosophie auf dem Smartphone. In: Oliver Ruf (Hrsg.): Smartphone-Ästhetik. Zur Philosophie und Gestaltung mobiler Medien (= Oliver Ruf [Hrsg.]: Medien- und Gestaltungsästhetik. Band 1). transcript, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-3529-4 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Lisa Gotto: Beweglich werden. Wie das Smartphone die Bilder zum Laufen bringt. In: Oliver Ruf (Hrsg.): Smartphone-Ästhetik. Zur Philosophie und Gestaltung mobiler Medien (= Oliver Ruf [Hrsg.]: Medien- und Gestaltungsästhetik. Band 1). transcript, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-3529-4 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Monika Schmitz-Emans: Enzyklopädische Phantasien. Wissensvermittelnde Darstellungsformen in der Literatur – Fallstudien und Poetiken (= Monika Schmitz-Emans [Hrsg.]: Literatur – Wissen – Poetik. Band 8). Georg Olms Verlag, Hildesheim / Zürich / New York 2019, ISBN 978-3-487-15640-8, S. 575–576 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Frank Herbert: Dune der Wüstenplanet. ISBN 3-453-18567-6, Seite 68.


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